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MUSIK UND TANZ AUS INDIEN


An Indiens heiligem Fluß, dem Ganges liegt BENARES, ein Zentrum für Musik, Meditation und Tradition. Dort wurden viele bedeutende Musiker Indiens geboren, so u.a. auch die Mitglieder des MUSIC ENSEMBLE OF BENARES. Sie fühlen sich der klassischen indischen Musiktradition verpflichtet, die sich aus Tempel- und höfischer Musik entwickelt hat und zu einer eigenstdndigen Musikform, eben der "Indischen Klassik", geworden ist. Im Gegensatz zur westlichen Klassik ist die Indische Klassik immer dem Göttlichen gewidmet.

Für manchen mag es einigermaßen überraschend sein, dass das nordindische MUSIC ENSEMBLE OF BENARES von einem Deutschen gegründet wurde. Günther Paust hat die Gruppe 1982 ins Leben gerufen, und zwar als eine mehr oder weniger lose Formation, die immer wieder in anderer Besetzung und mit anderen Instrumenten auftritt. Bei seinen seit 1975 zahlreichen ausgedehnten Reisen nach Indien ist er stets auf der Suche nach interessanten Künstlern, die er in Europa präsentieren kann.

In diesem Jahr wird das Ensemble zunächst vor der Pause nordindische Ragaimprovisationen auf dem Streichinstrument SARANGI vorstellen. Nach der Pause gibt es dann KATHAK-TANZ mit "live" Musik.


Die künstlerische Besetzung ist wie folgt:
Jyotika Dayal Kathak-Tanz & Gesang
Allarakha Khan Sarangi & Gesang
Joby Joy Tabla
Günther Paust Moderation & Tourneeleitung


Zur Geschichte des Kathak-Tanzes


Der Name "Kathak" entstand aus dem alten Wort "katha", was mit "Erzählung" übersetzt werden kann. Wörtlich bedeuted "Kathak" also "Erzähler". Diese Erzähler, Angehörige einer bestimmten Kaste, saßen schon vor Jahrtausenden in den Tempeln und erzählten den Besuchern Geschichten aus der Vergangenheit. Damit verdienten sich die "Kathaks" ihren Lebensunterhalt. Die Geschichten trugen sie in Form von Liedern vor. Dazu kamen entsprechende Gesichtsausdrücke ( abhinaya ) und auch bestimmte Handbewegungen ( mudras ) , um den Zuhörern auch als Zuschauer Inhalt und Ablauf der Begebenheit verständlich zu machen. Die Geschichten wurden so in einer lebendigen und unterhaltsamen Form weitergegeben. Die "Kathaks" waren aber nicht nur Erzähler, sondern auch Komponisten und Tänzer zur gleichen Zeit.

Kathak ist in Indien eine alte Kunstform, weit verbreitet, bevor es überhaupt eine Geschichtsschreibung gab. Möglicherweise ist es der erste Tanz überhaupt (adi nritya), der ausgeübt wurde. Im "Mahabharata" und "Bhram Maha Purana" wird der Kathak als Tanzform bereits erwähnt. Auch Tulsidas beschreibt in seinem "Vinay Patrika" den Kathak im Zusammenhang mit einer Kaste von Tänzern.

Im Laufe der Zeit erhielt der Kathak als klassischer indischer Tanzstil verschiedene Namen: z.B. hieß er "Kahuga" während der Jain-Periode. Die Kahugas waren lange Zeit eine Gemeinschaft von Sängern, Tänzern und Musikern. Unter der Herrschaft der Mohammedaner kamen die Kathak-Tänzer Lucknows in engen Kontakt mit den Königen, den Moghuln, so daß sich ihr Kathak-Stil dem Geschmack und dem Temperament dieser sinnesfreudigen Herrscher mehr und mehr anpaßte. Was zuvor ein einfacher religiöser Tanz war, wurde mit einer sehr verfeinerten Tanztechnik zu einer vielfältigen Darstellungsform. Tänzer aus dem mittleren Osten wurden von Altmeistern aus indischen Tempeln ausgebildet. Sinnesfreude bestimmte zunehmend den Tanzstil und der Kathak wurde ein Ausdruck reiner Unterhaltung.

Kathak-Tänzer aus Rajasthan, wo sich fortwährend Hindu-Herscher behaupten konnten, bewahrten den ursprünglichen Stil des Kathak. Vor etwa 400 Jahren zog dann der Sanskrit-Gelehrte Sri Janaki Prasad von Bikaner nach Benares und brachte somit das Wissen um die ursprüngliche Kunst des Kathak dorthin. Bis in die heutige Zeit haben seine Schüler durch 13 Generationen ununterbrochen diese Tanzkunst bewahrt, gepflegt und gelehrt. Anmut und Körperbeherrschung, komplizierte Bewegungen und ein mitreißender Rhythmus sind seine Merkmale.

Der indische Tanz im westlichen Kulturverständnis wird häufig auf ein religiöses Ritual reduziert. Doch die Kultur Indiens ist viel zu vielschichtig, um sich auf eine so einfache Definition festlegen zu lassen.

Die Sarangi
Die Sarangi ist ein Streichinstrument, von der Größe etwa mit der Viola vergleichbar. Sie hat eine eher rechtwinklige Form, an den Hüften etwas eingezogen, und sowohl der Hals als auch der Korpus sind mit Tierhaut überzogen.
Die drei dicken Darmsaiten, die Hauptspielsaiten, werden nicht wie sonst bei einem Saiten-oder Zupfinstrument durch Niederdrücken mit der Fingerkuppe auf das Griffbrett verkürzt. Die Darmsaiten werden mit dem Zeige-Mittel-und Ringfinger von unten angedrückt, und zwar mit der Hautfläche, die an das Nagelbett grenzt. Erst wenn sich an dieser Stelle eine Hornhaut gebildet hat, ist der Spieler in der Lage, einen einigermaßen sauberen Ton zu erzeugen. Diese Spielweise ist besonders für Anfänger eine schmerzhafte Angelegenheit.
Das äußere Erscheinungsbild der Sarangi ist geprägt durch die vielen Resonanzsaiten und deren kleine Wirbel. Während es bei der Sitar dreizehn, oder bei der Sarod siebzehn Resonanzsaiten sind, so ist die Sarangi mit vierunddreißig mitschwingenden Resonanzsaiten versehen, die vom Spieler vor dem Konzert in mühevoller Arbeit gestimmt werden müssen. Erst nach sauberer Feinabstimmung auf den jeweiligen Raga ergeben diese Resonanzsaiten zusammen mit dem gestrichenen Ton einen geschmeidig-weichen, aber doch abgerundet-vollen Klang.
Ursprünglich war die Sarangi lediglich ein Begleitinstrument für den nordindischen, klassischen Gesang, wurde aber auch als Begleitinstrument beim Kathak-Tanz eingesetzt. Erst in den letzten Jahrzehnten etablierten einige große indische Meister die Sarangi zu einem Soloinstrument.
Die TABLA
Die Tabla ist der Name eines Trommelpaars des in Nordindien bekanntesten Schlaginstruments. Die rechte Trommel, die eigentliche "Tabla", auch "Daina" genannt, besteht aus Holz. Die linke Trommel, ähnlich einer kleinen Kesselpauke ist die "Baya". In früheren Zeiten wurde die Baya aus Ton hergestellt, heute aus Metall. Ein Ring aus geflochtenem Leder ( Gazra ) spannt das Fell über die Trommel. Der Rand des Felles ( Chanti ) besteht an dieser Stelle aus zwei Schichten, wobei der Spieler an beiden Trommeln den jeweils höchsten Ton erzeugen kann.
Vom Rand zur Mitte hin gesehen folgt nun ein einschichtiger Ring ( Low ) und schließlich in der Mitte des Felles der schwarze Punkt ( Sehae ). Der schwarze Punkt entsteht durch die aufwendige Handarbeit eines Spezialisten. Eisenpulver wird mit Leim vermischt. Danach wird der Sehae poliert bis der typische Sound entsteht, die singenden Höhen der Tabla, sowie die typisch wegtauchenden Basstöne der Baya.
Bei der Tabla ( Daina ) sind noch zusätzlich unter dem Spannriemen kleine Holzpflöcke eingesetzt. Eine Veränderung der Tonhöhe wird dadurch bewirkt, indem der Spieler beim Stimmen des Instruments entweder die Holzpflöcke nach unten, bzw. nach oben schlägt. Eine weitere Feinabstimmung unternimmt der Spieler durch vorsichtiges Anschlagen bei beiden Trommeln auf die äußere Lederschnur ( Gazra ).
Während des Spiels benutzt der Spieler für seine Hände Talkum, nicht etwa um das Fell vor Schweiß zu schützen, sondern durch ständig schwitzende Hände beweglich zu bleiben.
Der Unterricht des Tablaspiels beginnt in Indien zunächst durch Händeklatschen und durch das Sprechen der Tablaworte. Somit wird der Schüler mit den schwierigen mathematischen Grundmustern des indischen Tala-Systems vertraut gemacht. Danch muß der Schüler erlernen, wie man die Sprechsilben auf das Instrument überträgt. Auf der linken Trommel, der Baya werden hauptsächlich mit dem Handballen die tiefen Töne erzeugt. Aber auch die Fingerkuppen der linken Hand haben auf der tiefen Baya eine wichtige Funktion. Die rechte Hand bedient die Daina. Jeder einzelne Finger hat die Aufgabe, einen ganz bestimmten Ton zu erzeugen und bis die rasend, schnellen Finger den richtigen "sound" ergeben, das bedarf einer langjährigen Ausbildung.
In der indishen Mythologie erzählt man, daß der Elefantengott Ganesh sich über den Klang seiner langen, beidseitig bespielbaren Quertrommel geärgert hat. Daraufhin zerteilte er sie wütend mit seinem Messer und gab eine Hälfte seinem Sohn. So waren Tabla und Baya entstanden. Ein altes indisches Sprichwort lautet: "Die Tabla ist nicht zum Trommeln da, sondern zum Spielen".